Wirkung

Logical Framework Approach

Der Logical Framework Approach ist ein analytischer Prozess inkl. einem Set von Instrumenten zur Unterstützung der Planung, des Managements und der Evaluation von Projekten (oder Programmen). Er bietet ineinandergreifende Konzepte, mit welchen in einem iterativen Prozess das Vorhaben strukturiert und systematisch analysiert sowie in der Umsetzung gesteuert und bewertet werden kann. Besondere Bedeutung hat dabei die Einbindung aller Stakeholder.

Der Logical Framework Approach ermöglicht Vorhaben in einem geordneten Vorgehen zu analysieren und zu organisieren. Dadurch werden wichtige Fragen gestellt, Schwächen des Vorhabens deutlich und Entscheidungsträger erhalten für eine fundierte Entscheidung ein verbessertes Verständnis über die Projektidee, die angestrebten Ziele und die Mittel, mit denen die Ziele erreicht werden sollen.

Die Analysen sollen als iterativer Lernprozess angelegt werden und nicht nur als linearer Durchlauf vorgegebener Schritte. Sowohl in der Vorhabenentwicklung (mehrtägiger Planungsworkshop unter Einbindung der Stakeholder) als auch bei der Vorhabenumsetzung sind beim Aufkommen neuer Fragestellungen und Informationen in den jeweiligen Tools getroffene Festlegungen wieder zu überprüfen und zu verfeinern.

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Der Logical Framework Approach setzt sich aus einer Analyse- und einer Planungsphase zusammen. Erstere besteht aus den Instrumenten Stakeholder Analyse, Problemanalyse, Zielanalyse und Strategieanalyse, Letztere beinhaltet die Aufstellung der Logical Framework Matrix, der Planung der Aktivitäten und der Aufstellung des Budgets. Beide Phasen werden als Schleifen verstanden, die bei geänderten Gegebenheiten oder gewonnenen Erkenntnissen noch einmal durchlaufen und die Ergebnisse gegebenenfalls adaptiert werden.

Stakeholder Analyse

Jegliche Einzelperson, Gruppe, Institution oder Unternehmen, die ein bedeutsames Interesse am Erfolg oder Misserfolg des Vorhabens haben (entweder als Umsetzende, Unterstützende, Profitierende oder Gegner), werden als Stakeholder definiert.
Hinter der Stakeholder Analyse steht die Grundannahme, dass verschiedene Gruppen unterschiedliche Interessen, Möglichkeiten und Befürchtungen haben, die es zu verstehen und bei der Problemidentifikation, der Zielfestlegung und der Strategieauswahl zu berücksichtigen gilt. Demnach sind die Schlüsselfragen: „Wessen Probleme und Chancen werden wir analysieren?“ und „Für wen ist das angedachte Vorhaben von Vorteil oder Nachteil, und auf welche Weise?“

Nach Identifizierung der Stakeholder (werden zu einem späteren Zeitpunkt weitere erkannt, sind sie nachträglich aufzunehmen) wird mittels Stakeholder Analyse Matrix erhoben und festgehalten. Dabei werden je Stakeholder folgende Spalten befüllt:

  • Stakeholder und dessen Grundcharakteristika
  • Interessen und wie vom zu bearbeitenden Problem betroffen
  • Einschätzung der Haltung zum Vorhaben (++ + 0 - --)
  • Potenziale und Motivation zu angestrebter Problemlösung beizutragen
  • Mögliche Maßnahmen den Interessen des Stakeholders entgegen zu kommen
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Problemanalyse

Mittels der Problemanalyse werden real existierende negative Zustände herausgearbeitet und die Ursache-Wirkung-Beziehungen zwischen den erkannten Problemstellungen sichtbar gemacht. Die Problemanalyse soll gemeinsam mit den Stakeholdern durchgeführt werden, so kann von den unterschiedlichen Sichtweisen profitiert und eine gemeinsame Sicht auf die Problemlage gefunden werden. Das Ergebnis wird in Form eines „Problembaums“ visualisiert.

Beispiel für einen Problembaum

Die Problemanalyse erfolgt idealer Weise in einem partizipativen Workshop. In einem ersten Schritt werden im Brainstorming die für die Stakeholder prioritären Probleme gesammelt. Aus diesen wird ein individuelles Starter-Problem ausgewählt und damit in Beziehung stehende Probleme zusammengetragen. Diese werden dann nach der Logik Ursache und Wirkung hierarchisch geordnet – Probleme, die das Starter-Problem verursachen stehen darunter, Probleme, die durch das Starter-Problem bewirkt werden, darüber. In dieser Logik werden die anderen Probleme geordnet, die leitende Frage ist dabei „Was verursacht das?“. Sofern mehrere Ursachen eine Wirkung erzielen, sind sie im Diagramm auf gleicher Höhe zu positionieren. Über Verbindungspfeilen werden die Ursachen-Wirkungsbeziehungen sichtbar gemacht.

Zielanalyse

In der Zielanalyse werden Lösungen für die zuvor in der Problemanalyse herausgearbeiteten Probleme entwickelt. Die negativen Aspekte im Problembaum werden in zukünftige, positive Gegebenheiten (wünschenswert und realistischer Weise erreichbar) umgewandelt und in einem Zielbaum mit einer Mittel-Zweck-Logik dargestellt. Diese Transformationsarbeit sollte ebenfalls unter Einbeziehung der wesentlichen Stakeholder erfolgen.

Beispiel für einen Zielbaum

Strategieanalyse

Über die die Stakeholder-, Problem- und Zielanalyse wurde gemeinsam mit den Stakeholdern eine Vielzahl an Optionen herausgearbeitet. Bevor es an die Ausgestaltung des weiteren Vorgehens geht, sind diese noch einmal zu hinterfragen um das Vorhaben auf ein umsetzbares Maß einzuschränken. Dabei sind folgende Fragen von Nutzen:

  • Sollen alle identifizierten Probleme/Ziele angegangen werden, oder nur Teile davon?
  • Welche Ressourcen und welches Wissen steht für die Umsetzung zur Verfügung?
  • Welche Kombination von Interventionen hat die höchste Wahrscheinlichkeit die gewünschten Wirkungen nachhaltig zu erzielen?
  • Wie nützt das Vorhaben die Ziele und Erfahrungen der umsetzenden Organisation am besten?
  • Welchen finanziellen Einsatz erfordern die verschiedenen Interventionen, was kann realistischer Weise finanziert werden?
  • Was ist die kosteneffizienteste Option?
  • Wie sind die Strategien im Sinne von Chancengerechtigkeit und der Unterstützung vulnerabler Gruppen zu beurteilen?
  • Wie sieht es unter Einbeziehung von Umweltschutzaspekten aus?

Aufstellung der Logical Framework Matrix

Die Ergebnisse der Analysephase werden in der Logical Framework Matrix (Logframe) als Zusammenfassung des Projektdesigns dargestellt.

Die Basismatrix besteht aus vier Spalten und vier Zeilen. Beim Befüllen der einzelnen Matrixzellen beginnt man in der 1. Spalte von oben nach unten (Impact > Aktivitäten), dann in der 4. Spalte von unten nach oben und dann 2. und 3. Spalte Zeile für Zeile nach unten.

  • Die erste Spalte bildet die Mittel-Zweck-Logik des Vorhabens (Interventionslogik) ab: „Wenn wir zum übergeordneten Ziel beitragen wollen, dann muss der Zweck (Wirkung) erreicht werden. Wenn wir den Zweck erreichen wollen, dann müssen die angegebenen Ergebnisse geliefert werden. Wenn wir die Ergebnisse liefern wollen, dann müssen die angegebenen Aktivitäten durchgeführt werden. Und wenn wir die Aktivitäten durchführen wollen, dann müssen die benötigten Ressourcen bereitgestellt sein.“
  • In der vierten Spalte finden sich die Annahmen zu externen Faktoren mit möglichem Einfluss (ev. bestimmend) auf den Projekterfolg. Die Annahmen sind Teil der vertikalen Logik: „Sind die Voraussetzungen erfüllt, die Inputs vorhanden, können die Aktivitäten umgesetzt werden. Wurden die Aktivitäten umgesetzt und halten die Annahmen auf diesem Niveau, können die Ergebnisse geliefert werden. Wurden die Ergebnisse geliefert und erfüllen sich die Annahmen auf diesem Niveau, kann der Zweck erreicht werden. Ist der Zweck erreicht, die Wirkungen erzielt und die Annahmen auf dieser Ebene erfüllt, kann ein Beitrag zu den übergeordneten Zielen geleistet werden.“
    Im Laufe der Analysephase und darüber hinaus werden Problemstellungen (zB politische, institutionelle, technische, gesellschaftliche und/oder ökonomische) mit Auswirkungen auf das Projektumfeld, die vom Projekt nicht direkt beeinflusst werden können, identifiziert. Zu diesen externen Faktoren werden Annahmen getroffen, die gegeben sein müssen, damit das Projekt auf den verschiedenen Ebenen erfolgreich ist. Die getroffenen Annahmen werden dann auf ihre Bedeutung für das Projekt hin bewertet. Ist die Bedeutung gegeben, der Eintritt der Annahme so gut wie sicher, wird sie nicht in den Logframe aufgenommen. Ist die Eintrittswahrscheinlichkeit ganz gering, steht das gesamte Projekt in Frage: ist ein Redesign des Projektes nicht möglich, ist das Projekt nicht durchführbar. Ist der Eintritt einer Annahme wahrscheinlich und für das Projekt bedeutend, wird sie in den Logframe aufgenommen.
  • In der zweiten Spalte sind objektiv verifizierbare Indikatoren zu den Projektzielen angeführt. Anhand der Indikatoren soll zu beurteilen sein, ob das Geplante durchgeführt bzw. erreicht wurde. Mit ihnen wird der Erfolg des Projektes überprüft.
  • In der dritten Spalte sind die Quellen zur Nachprüfung angegeben, wo und in welcher Form sind Informationen über die in der 2. Spalte angegebenen Indikatoren zu finden. Das können im günstigsten Fall frei verfügbare statistische Erhebungen oder aber auch von einem aufzubauenden begleitenden Monitoring zu liefernde Daten sein.
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Planung der Aktivitäten und des Budgets

Steht der Logframe, sind in einem nächsten Schritt die darin ausgewiesenen Aktivitäten vertiefend hinsichtlich Zeitablauf, gegenseitiger Abhängigkeiten und Verantwortlichkeiten zu analysieren. Die Planung erfolgt in untenstehenden Schritten:

  1. Auflistung der Hauptaktivitäten (bereits in Logframe ausgewiesen)
  2. Herunterbrechen der Aktivitäten in Unter-Aktivitäten und diese in weiterer Folge in überschaubare Aufgaben. Diese Ausdifferenzierung sollte dort enden, wo der/die Planende ausreichend Details für die Schätzung der benötigten Zeit und Ressourcen erhalten hat.
  3. Klärung des Ablaufs und der Abhängigkeiten
    In welcher Reihenfolge sind die Aktivitäten zu erbringen, sind Aktivitäten davon abhängig, dass andere begonnen oder bereits abgeschlossen sind.
  4. Schätzung des Beginns, der Dauer und der Fertigstellung der Aktivitäten
  5. Zusammenfassung der Planungen für die Haupt-Aktivitäten
  6. Festlegung von Meilensteinen
  7. Bestimmung der erforderlichen Expertise für die Bearbeitung der einzelnen Aufgaben
  8. Verteilung der Aufgaben auf die Mitarbeitenden im Projekt

Ausgehend von der Detaillierung der Aktivitäten kann für jede Aufgabe eine Kostenschätzung erfolgen. Hinzu kommen noch die Kosten für das Projektmanagement.

Resumé

Der Logical Framework Approach ist durch seine differenzierten Analyseinstrumente sehr hilfreich bei einer wirkungsorientierten Planung von Projekten. Einfach nur den Logframe auszufüllen, wird dem aber nicht gerecht.

Der iterative Charakter, der ein Durchdenken in sich wiederholenden Schleifen fordert, und die Einbindung der Stakeholder in den gesamten Prozess wird der Überzeugung, dass man nicht am Reißbrett ein komplexes Projekt im sozialen Kontext aufsetzen kann, gerecht. Der dialogische Charakter fördert das gegenseitige Verständnis aller Beteiligter, stärkt die Identifikation mit den Projektzielen und nutzt die unterschiedlichen Kompetenzen und Erfahrungen.

Die Herausarbeitung der Indikatoren bildet eine praktikable Grundlage für das Monitoring und die Evaluation des Projektes.

Quellen:

Stiftung Zewo (Schweizerische Zertifizierungsstelle für gemeinnützige, Spenden sammelnde Organisationen)
https://impact.zewo.ch/de/wirkungsmessung/hilfsmittel/logical_framework_approach

European Commission: Project Cycle Management Guidelines (S.57ff)
https://ec.europa.eu/europeaid/sites/devco/files/methodology-aid-delivery-methods-project-cycle-management-200403_en_2.pdf

Donhauser Franz: Projektmanagement in Non-Profit-Organisationen. Der Logical Framework Approach in der internationalen Zusammenarbeit (in Projektmagazin)
https://www.projektmagazin.de/artikel/der-logical-framework-approach-der-internationalen-zusammenarbeit_6898

SECO, The Logical Framework User Manual (2017)
https://www.seco-cooperation.admin.ch/dam/secocoop/de/dokumente/resultate/monitoring/quali-manual-framework.pdf.download.pdf/Logical%20Framework%20-%20User%20Manual.pdf